
Eigentlich wollte ich nach dem Yoga am letzten Mittwochabend nur noch abschalten. Aber während ich da so auf meiner Matte lag, schoss mir plötzlich dieser eine Begriff durch den Kopf: „AI Literacy“. KI-Kompetenz. Ich sah vor meinem geistigen Auge unsere 78 Mitarbeiter in der Montage und der Verwaltung und fragte mich, wie ich denen jemals erklären soll, was der EU AI Act eigentlich von uns will.
Bevor ich dir davon erzähle, ein kurzer Hinweis: Auf diesem Blog findest du gelegentlich Affiliate-Links zu Schulungen, die ich oder meine Kollegen ausprobiert haben. Wenn du darüber etwas buchst, bekomme ich eine Provision – für dich ändert sich am Preis absolut nichts. Ich verlinke hier nur Dinge, die ich selbst getestet habe oder für die ich meine Kollegen guten Gewissens angemeldet habe.
KW 46: Die Ernennung zur „KI-Beauftragten“ (Oder: Das Labyrinth ohne Kompass)
Es war im letzten November, als unser Chef mich ins Büro rief. „Frau Müller, Sie machen doch HR. Wir brauchen jemanden für diesen AI Act. Sie sind jetzt unsere interne KI-Beauftragte.“ Peng. Da saß ich nun. Seit 2021 bin ich in diesem Düsseldorfer Betrieb, habe BWL studiert und kenne mich mit Arbeitsrecht aus, aber von Algorithmen habe ich so viel Ahnung wie ein Fisch vom Fahrradfahren.
Ich habe angefangen, diesen monströsen Verordnungstext zu lesen. Über 450 Seiten juristisches Kauderwelsch. Jedes Mal, wenn ich versuche, den Unterschied zwischen einem „Provider“ und einem „Deployer“ (dem Betreiber) zu begreifen, spüre ich dieses fiese Ziehen in meinen Schultern. Ich bin definitiv keine Juristin – das ist auch mein wichtigster Rat an dich: Wenn es bei euch um Haftungsfragen im Detail geht, holt euch eine Anwältin für IT-Recht. Ich versuche hier nur, den operativen Wahnsinn für unsere 78 Leute zu bändigen.

KW 51: Der Schockmoment kurz vor Weihnachten
Kurz vor den Weihnachtsfeiertagen saß ich beim Mittagessen mit unserer Fertigungsleiterin Frau Krüger zusammen. Ich versuchte, ihr ganz enthusiastisch zu erklären, was „generative KI“ ist und warum wir bald Richtlinien brauchen. Sie schaute mich nur verständnislos an, kaute auf ihrem Schnitzel und fragte: „Macht das die Maschine in Halle 3 jetzt schneller oder macht das nur mehr Arbeit für meine Leute?“
Ich habe kläglich versagt. In dem Moment wurde mir klar, dass ich nicht nur die Technik prüfen muss, sondern laut Gesetz – konkret nach Artikel 4 des AI Act – dazu verpflichtet bin, die KI-Kompetenz aller 78 Kollegen sicherzustellen. Das ist kein „Kann“, das ist ein „Muss“. Und ich hatte keine Ahnung, wie ich das anstellen sollte, ohne die Produktion lahmzulegen. Die Compliance-Uhr tickt, auch wenn wir für viele Regeln eine Übergangsfrist von 24 Monaten haben.
Anfang Mai: Wenn die Theorie auf die Werkbank trifft
Anfang Mai wurde mir die Tragweite erst richtig bewusst. Im Mittelstand ist die Trennung zwischen Büro und Fertigung oft eine riesige Hürde. Während der ITler Tobias im Büro schon mit ChatGPT experimentiert, haben die Leute in der Produktion ganz andere Sorgen. Aber der AI Act macht da keinen großen Unterschied, wenn es um die Grundbildung geht.
Besonders kritisch wird es bei uns in der HR. Viele KI-Systeme im Personalbereich gelten als Hochrisiko-Systeme. Wenn wir da etwas falsch machen, wird es teuer. Ich saß abends oft allein im Büro, das leise Summen der Klimaanlage im Hintergrund, die kühle, glatte Oberfläche meines Schreibtischs unter den Händen, und habe mich gefragt: Wie soll ich das alles allein schultern? Ich kann doch nicht für jeden einzelnen Mitarbeiter eine eigene Präsentation basteln.

Ein Mittwochabend vor zwei Wochen: Der Wendepunkt
Es war wieder so ein Mittwochabend vor zwei Wochen. Nach dem Yoga war mein Kopf endlich mal klarer. Ich hatte keine Lust mehr, das Rad neu zu erfinden. Ich suchte nach einem strukturierten Weg, wie ich das Team fit machen kann, ohne dass sie mich für die „KI-Polizei“ halten. Dabei bin ich auf das Konzept eines digitalen „Führerscheins“ gestoßen.
Anstatt selbst stundenlang Schulungsmaterialien zu entwerfen, die Frau Krüger in der Produktion ohnehin zu theoretisch findet, habe ich nach einer externen Lösung gesucht. Etwas, das die Leute dort abholt, wo sie stehen. Ich habe mir den KI-Führerschein genauer angeschaut. Das Schöne daran ist, dass es nicht um tiefes Programmieren geht, sondern um das Verständnis: Was darf ich? Wo sind die Risiken? Wie nutze ich das Tool sinnvoll?
Ich habe angefangen, die ersten Module selbst durchzuklicken. Es war eine Erleichterung. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass meine Rolle als KI-Beauftragte nicht nur aus „Verhindern“ und „Angst vor Bußgeldern“ besteht, sondern aus Gestaltung. Wir führen den KI-Führerschein für Mitarbeiter jetzt schrittweise ein. Erst die Verwaltung, dann die Schichtleiter in der Produktion.

Mein Fazit: Vom Verwalten zum Gestalten
Wenn du in einer ähnlichen Situation bist wie ich – plötzlich verantwortlich für ein Thema, das größer wirkt als die ganze Firma –, dann atme erst mal tief durch. Du musst keine IT-Expertin sein, um die Anforderungen des AI Act umzusetzen. Deine Aufgabe als interne Beauftragte ist es, die Brücke zu schlagen. Zwischen der komplizierten Verordnung und dem Arbeitsalltag von Leuten wie Frau Krüger.
Wir haben jetzt einen Plan. Die 78 Lizenzen sind genehmigt, und ich muss nicht mehr jedes Wort selbst erklären. Das Ziehen in meinen Schultern ist fast weg. Wenn du auch nach einer Lösung suchst, die rechtssicher ist und trotzdem niemanden überfordert, schau dir den KI-Führerschein für Unternehmen an. Es spart dir die Zeit, die du eigentlich für deine echten HR-Aufgaben (oder eben für Yoga) brauchst. Es fühlt sich gut an, endlich einen Haken hinter das Thema „Mitarbeiterschulung“ setzen zu können.