Konform Tagebuch

Wie ich die KI-Kompetenz der Mitarbeiter ohne IT-Wissen strukturiert messe

Eines regnerischen Abends im letzten November saß ich noch lange nach Feierabend in meinem Büro hier in Düsseldorf. Vor mir lag der 144-seitige Ausdruck der KI-Verordnung, und mein neon-gelber Textmarker war fast leer. Der Geruch von frischer Tinte und das raue Recyclingpapier unter meinen Fingern sind mir seltsam deutlich in Erinnerung geblieben, als ich zum zehnten Mal das Wort 'Literacy' in Artikel 4 einkreiste. In diesem Moment wurde mir erst richtig bewusst, was meine Ernennung zur AI-Act-Beauftragten bedeutete: Ich muss sicherstellen, dass 78 Menschen in unserem Betrieb verstehen, was sie da tun, wenn sie KI nutzen. Und ich hatte absolut keinen Plan, wie ich das beweisen soll.

Hinweis: In meinen Berichten findest du manchmal Affiliate-Links zu Tools oder Kursen, die wir hier im Betrieb ausprobiert haben. Wenn du darüber etwas buchst, erhalte ich eine kleine Provision. Für dich ändert sich am Preis rein gar nichts. Ich verlinke grundsätzlich nur Dinge, die ich selbst getestet habe oder durch die ich meine Kollegen geschickt habe, um das AI-Act-Chaos zu bändigen.

KW 46: Die Falle der technischen Überheblichkeit

Mein erster Impuls war typisch für jemanden, der sich in ein neues Thema verbeißt: Ich wollte es perfekt machen. Ich dachte, ich müsste für jeden der 78 Kollegen ein individuelles Kompetenzprofil erstellen. Ich habe Tobias aus der IT gefragt, ob er mir helfen kann. Er kam mit Begriffen wie API-Latenz, Python-Versionen und Token-Limits um die Ecke. Nach zehn Minuten habe ich nur noch genickt und gehofft, dass er nicht merkt, dass ich geistig komplett ausgestiegen bin.

Das Problem ist: Tobias sieht die Welt in Code. Ich sehe sie in Personalakten und Schichtplänen. Wenn ich unsere Leute in der Fertigung frage, ob sie 'generative KI-Modelle' verstehen, schauen die mich an, als käme ich vom Mars. Die wollen wissen, ob sie ChatGPT nutzen dürfen, um Sicherheitsanweisungen schneller zu verstehen, oder ob die neue Software in der Logistik ihren Job gefährdet. Ich merkte schnell: Wenn ich das IT-Wissen abfrage, scheitere ich an der Realität unseres Mittelstands.

Nahaufnahme eines Textmarkers auf dem Text der KI-Verordnung.

März: Das Desaster mit den 'Stochastischen Papageien'

In einer verregneten Woche im März hatte ich einen Termin mit Frau Krüger, unserer Fertigungsleiterin. Sie ist seit zwanzig Jahren dabei, kennt jede Schraube und hat eine gesunde Skepsis gegenüber allem, was 'smart' im Namen trägt. Ich wollte ihr erklären, wie Large Language Models funktionieren, und nutzte den Begriff 'Stochastic Parrots' – stochastische Papageien –, den ich in einem Blog gelesen hatte.

Mitten im Satz passierte es: Ich sah in Frau Krügers fragendes Gesicht und merkte plötzlich, dass ich die technische Nuance dahinter selbst gar nicht wirklich begriffen hatte. Ich plapperte nur nach. In meinem Kopf schoss es sofort: 'Wenn ich das nicht mal meiner Mutter oder Frau Krüger erklären kann, wie soll ich das jemals rechtssicher dokumentieren?' Ich fühlte mich wie eine Hochstaplerin mit BWL-Diplom. Ich bin eben keine Informatikerin und auch keine Juristin für IT-Recht – wenn du also wasserdichte Paragrafen-Auslegung brauchst, frag bitte jemanden mit Anwaltsrobe.

Dieser Moment war ein Wendepunkt. Ich hörte auf, eine IT-Auditorin sein zu wollen. Ich erinnerte mich an mein Handwerk: Personalentwicklung. Wir messen Kompetenzen schließlich ständig, egal ob es um Führung oder Arbeitssicherheit geht. Warum also bei KI so kompliziert denken? Wir müssen schließlich auch die KI Dokumentationspflichten im Büro erfüllen, ohne dass der Betrieb stillsteht.

Die Krux mit den nicht-vorhandenen PC-Arbeitsplätzen

Was viele Berater völlig vergessen: In einem Maschinenbau-Zulieferer haben nicht alle einen Laptop. In der Montage oder im Lager nutzen die Leute ihre privaten Smartphones oder die mobilen Handscanner. Wie messe ich da strukturiert die Kompetenz? Ein standardisierter PC-Test in der Kantine? Viel zu teuer und unflexibel.

Die Realität in unserem Mittelstand ist, dass die Nutzung oft 'unter dem Radar' passiert. Jemand lässt sich einen Text für eine E-Mail vorformulieren oder übersetzt eine technische Zeichnung. Die Gefahr dabei ist groß, dass Fehler von KI im Büro unentdeckt bleiben, weil das Team denkt: 'Die Maschine hat immer recht'.

Ich habe Wochen damit verbracht, eine Excel-Tabelle zu basteln, die am Ende so unübersichtlich war, dass selbst ich nicht mehr wusste, was Spalte AH eigentlich bedeutete. Die Daten waren inkonsistent, die Rücklaufquote aus dem Lager lag bei Null. Ich war frustriert und kurz davor, den ganzen Kram hinzuschmeißen.

Mitarbeiter in der Fertigung nutzt eine KI-Schulung auf seinem Smartphone.

Juli: Die Erleuchtung beim Shavasana

An einem Mittwochabend im Juli lag ich in meiner Yoga-Stunde. Wir machten gerade Shavasana, die Endentspannung. Eigentlich soll man da an nichts denken, aber mein Hirn ratterte wie eine CNC-Fräse. Und dann, ganz plötzlich, spürte ich, wie sich die Anspannung in meinen Schultern löste. Mir kam der Gedanke: Warum versuche ich eigentlich, das Rad neu zu erfinden?

Wir verlangen von unseren Staplerfahrern einen Führerschein. Wir verlangen für die Brandschutzhelfer ein Zertifikat. Warum also nicht auch für KI? Ich brauchte keine komplizierte Eigenbau-Matrix, sondern eine externe, validierte Lösung, die wie ein Führerschein funktioniert. Etwas, das auch auf dem Smartphone funktioniert, damit der Kollege aus der Montage das in der Pause machen kann, wenn er möchte.

Ich habe mich dann für den KI-Führerschein entschieden. Das war der Moment, in dem aus dem vagen 'Wir müssen da was machen' ein strukturierter Prozess wurde. Es geht dabei nicht darum, dass jeder programmieren lernt. Es geht um Artikel 4 der KI-Verordnung: Verstehen, was die Systeme tun, wo die Risiken liegen (besonders bei Hochrisiko-Systemen nach Annex III) und wie man sie sicher nutzt.

Mein Fazit: Struktur schlägt Fachchinesisch

Heute haben wir eine klare Matrix. Ich weiß genau, wer welches Modul abgeschlossen hat. Das gibt nicht nur mir Sicherheit für das nächste Audit, sondern vor allem den Kollegen. Sie haben keine Angst mehr vor der 'Black Box' KI, weil sie gelernt haben, Ergebnisse kritisch zu hinterfragen.

Wenn ich eines gelernt habe, dann das: Als HR-Frau im Mittelstand ist es nicht mein Job, die KI zu programmieren. Mein Job ist es, die Brücke zu bauen. Ein KI-Führerschein in der Personalentwicklung ist genau diese Brücke. Es ist pragmatisch, messbar und überfordert niemanden.

Falls du auch gerade vor diesem Berg an Anforderungen stehst: Fang klein an. Du musst nicht alles wissen, du musst nur wissen, wie du die Kompetenz deines Teams sicherstellst und dokumentierst. Schau dir mal an, ob ein strukturierter KI-Führerschein nicht auch für euch der einfachere Weg ist, statt dich wie ich nächtelang durch Gesetzestexte zu quälen. Es spart Nerven – und man hat am Mittwochabend beim Yoga den Kopf tatsächlich mal frei.

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